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Fällt die IDS Halle Sparzwängen oder Sachzwängen zum Opfer?

03/06/2014

(wr/vikas) Die Antwort auf  diese Frage kennen wir  noch nicht, wir werden aber nachfragen.  Bekannt ist derzeit nur,  dass die IDS Halle – Informations- und Dokumentationsstelle Neureligiöse und Ideologische Gemeinschaften, Psychogruppen, Okkultismus und Satanismus – ab 2015 ihre Arbeit in der jetzigen Form einstellen soll. Die IDS ist ein Projekt der Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. und wird gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt. Die IDS Halle ist eine der wenigen noch verblieben kompetenten staatlichen Ansprechpartner auf dem Gebiet des Verbraucherschutzes auf dem Psychomarkt. Egal ob aus Spar- oder Sachzwängen, in Zeiten eines zunehmend wachsenden Esoterikmarktes in Deutschland ist ein solches Vorhaben auf jeden Fall ein fatales politisches Signal.

Im Jahre 1987 schrieb Ingo Heinemann  von der AGPF : „Eins muß festgehalten werden: Kritiker der Psycho-Szene sind eine Rarität. Der Staat hält sich da praktisch völlig raus, völlig zu Unrecht“. Sollten sich seit dieser Zeit diesbezüglich zwischenzeitlich  in Sachsen-Anhalt  positive  Veränderungen ergeben haben, so scheint man dort gerade darüber nachzudenken, diese wieder rückgängig zu machen.

Eine erste Reaktion kam bereits aus dem benachbarten Sachsen. Die  EBI Leipzig formulierte nachstehenden  offenen Brief an  Norbert Bischoff, Minister für Arbeit und Soziales in Sachsen-Anhalt und Landtagsabgeordneter der SPD, der sowohl Mahnung als auch ein Hilferuf zugleich ist. Wir haben dem (vorerst) nichts hinzuzufügen.

 

03.06.2014
OFFENER BRIEF

Sehr geehrter Herr Bischoff,
sehr geehrte Damen und Herren,

mit Bestürzung habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, das es die Informations- und Dokumentationsstelle zum Thema Sekten und Kulte ab 2015 nicht mehr geben soll.

Wenn sich dies bewahrheitet, brechen zwei wichtige PartnerInnen im bundesweiten Netzwerk weg, und das Netzwerk in Sachsen-Anhalt würde vollkommen zerstört werden.
Allein aus der übergreifenden Tätigkeit von Sekten und Kulten im Bereich Halle – Leipzig sind für mich Partner in Sachsen Anhalt dringend notwendig. Vor allem sind staatliche Stellen notwendig. Denn diese übernehmen Aufgaben, die ein kirchlicher Sektenbeauftragter gar nicht übernehmen kann.
Mit der Schließung dieser Stelle entziehen Sie sich der Verpflichtung im Bereich des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes. Im § 14 KJHG steht nicht es „dürfen“ oder „können“ sondern es sollen Angebote gemacht werden. Medienkompetenz allein erfüllt nicht § 14 (2) 1. und 2. :

Sozialgesetzbuch (SGB) – Achtes Buch (VIII) – Kinder- und Jugendhilfe

§ 14 Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
(1) Jungen Menschen und Erziehungsberechtigten sollen Angebote des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes gemacht werden.
(2) Die Maßnahmen sollen
1. junge Menschen befähigen, sich vor gefährdenden Einflüssen zu schützen und sie zu Kritikfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie zur Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen führen,
2. Eltern und andere Erziehungsberechtigte besser befähigen, Kinder und Jugendliche vor gefährdenden Einflüssen zu schützen.

Die BürgerInnen des Landes Sachsen-Anhalt haben auch ein Recht auf eine Präventions- und Beratungsstelle zum Thema Sekten und Kulte.
Wer informiert dann Behörden, öffentliche und private Einrichtungen vor solchen Gruppen? 
Wo können sich dann Primär- und Sekundärbetroffene Beratung einholen?
Wer ist dann kompetenter Ansprechpartner bei länderübergreifender Zusammenarbeit?
Wollen Sie wirklich in einer Zeit, wo esoterische Gruppen und Heilanbieter wie Pilze aus dem Boden schießen, die Menschen in Ihrem Bundesland allein mit den Problemen lassen?

Wenn Sie solch eine Beratungsstelle schließen, bereiten Sie den Nährboden für noch mehr Sekten und Kulte, und diese Gruppen werden die Zeit nutzen bis zum Wiederaufbau einer Beratungsstelle, denn eine zerschlagene Struktur kann man nicht so schnell wiederherstellen.
Die KollegInnen der angrenzenden Bundesländer haben keine Ressourcen, Beratungen aus und Prävention in Ihrem Bundesland zu übernehmen.

Frau Dr. Phillipp und Frau Dr. Zimmermann sind weit über die Grenzen von Sachsen-Anhalt als fundierte Kennerinnen der Sektenszene, als kompetente Ansprech- und Arbeitspartnerinnen bekannt. Sie stehen für Planungssicherheit in der bundesweiten Zusammenarbeit. Beide sind profilierte Beraterinnen im Kollegenkreis. Mit dem „Einsparen“ dieser Stellen rütteln Sie an den Säulen eines bundesweiten Netzwerkes der Arbeit zu negativen Sekten und Kulten.
Sie sollten viel eher darüber nachdenken, wie diese zwei Fachkräfte in den nächsten Jahren kompetente NachfolgerInnen ausbilden können.

Mit freundlichen Grüßen
Solveig Prass
Leiterin des Projektes
Beratung und Prävention zu Sekten und Kulten (Leipzig)

 

 

From → NEU auf VIKAS

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