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(GWUP)  Petition gegen die politische Schirmherrschaft des deutschen Homöopathie-Kongresses


—>   Unterstützer können sich  hier anschließen. <—–


Schon im Januar finden wir einen Top-Favoriten für das Bullshit-Statement des Jahres:

Das von den Homöopathie-Kritikern häufig bemühte „Nichts“ wird von den Physikern als u. a. als Quantenvakuum bezeichnet und spielt eine maßgebliche Rolle in der Erklärung der Wirkweise der Homöopathie.”

Ebenso sinnfrei könnte man an dieser Stelle über ein Kopfvakuum spekulieren – darum soll es aber gar nicht gehen.

Kon

Das wirklich Erschreckende ist, dass eine Professorin und Senatorin für “Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz” sich hinter solchen Schwachfug stellt.

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Gesundheitsjournalismus zwischen Anspruch und Wirklichkeit

(vikas/wr) Die „Freie Presse“ (FP) startete im Mai 2015 eine Serie zu alternativen Heilmethoden.  Die Berichterstattung erfolgt zu einem Zeitpunkt zunehmend unzureichender ärztlicher Versorgung im Vogtland und im mittleren Erzgebirge. Das Landratsamt des Vogtlandkreises  hat inzwischen für die Region Reichenbach den Ärztenotstand ausgerufen[21]. Vor diesem Hintergrund titelte die FP im einleitenden Artikel vom 07.05.2015:

„Anders  heilen  – Alternative Heilmethoden im Überblick – Wirkt Natur wirklich Wunder? Diese Ratgeber-Serie soll Klarheit schaffen“

„Wir  wollen aufklären, Befürwortern und Kritikern Raum für ihre Argumente geben. Bei der Debatte darüber sollte endlich Schluss sein mit dem Schwarz-Weiß-Denken: Schulmediziner doktern nur an Symptomen rum, Naturheiler sind Scharlatane. Zweifellos gibt es unter dem Deckmantel der Naturmedizin schwarze Schafe, denen es vor allem ums Geld geht. Der Begriff ist nicht geschützt und weit auslegbar bis tief ins Esoterische.   Fakt ist aber auch, dass sich immer mehr Ärzte naturheilkundlichen Methoden öffnen. Einige sind inzwischen so gut durch Studien belegt, dass Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen. “[22]

Die Autorin Katrin Saft verspricht an dieser Stelle, mit der geplanten Serie aufzuklären und Befürwortern und Kritikern Raum für Argumente zu geben. Dieses Versprechen soll an einigen Beiträgen überprüft werden.

–> Beitrag lesen

 


Zu den Originalbeiträgen der „Freien Presse“:

picture alliance/dpa

Immer mehr Menschen wenden sich alternativen Heilmethoden zu. Doch die Unwissenheit über derartige Verfahren ist groß. Genau das ist für die „Freie Presse“ Anlass, sich mit dem Thema „Anders heilen“ in einer Serie auseinanderzusetzen und über Wirksamkeit, Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Heilpraktiken aufzuklären. weiter lesen

(screenshot FP vom 18.10.2010)


Der Zug für die Homöopathie ist soeben abgefahren

Die Elbe-Saale-Bahn, die zur DB Regio gehört, hat in Köthen einen neuen Doppelstockzug auf den Namen „Samuel Hahnemann“ getauft – und die Mitteldeutsche Zeitung bringt es fertig, in ihrem Bericht dazu “Homöopathie” in einem Satz mit “Wissenschaft” zu nennen.

-> GWUP

 

Urania Berlin – Wissen oder flotte Sprüche ?

URANIA – das Original als Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse  – wurde  1954 in der damaligen DDR gegründet.  „Die Gesellschaft setzte sich vor allem für eine allgemein verständliche Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und neuer Technologien sowie eine Popularisierung der Wissenschaften ein.“(Wikipedia). Nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden aus der Gesellschaft eine Reihe von lokalen Urania-Vereinigungen, die 1991 den „Bundesverband Neue Urania“ gründeten.

Die Urania Berlin vertritt den ursprünglichen Anspruch nach eigener Darstellung auch heute noch. Anspruch und Wirklichkeit sind aber  keine siamesischen Zwillinge. Kein Wunder also, dass  beide nicht selten  getrennte Wege gehen. Bei den für den 12.09.2015 angekündigten „Urania Naturheiltagen“ scheint das besonders deutlich zu werden.  Zu den geplanten Fachvorträgen wird man sich erst nach der Veranstaltung konkret äussern können. Bei Themen wie „multimodale Therapie des ganzen Menschen“ und „Ganzheitliche Zahnheilkunde“  kann man zwar gut spekulieren, aber das hat mit Wissenschaft bekanntlich nichts zu tun. Gedulden wir uns also noch ein wenig.

Die Ausstellerangebote mit „Lebensfeuermessung“ und naturheilkundlicher Beratung im Einklang mit der Natur deuten schon eher an, wohin die Reise führen könnte. Richtig zur Sache könnte es dann bei der gleichzeitig stattfindenden „Lebensernergie-Konferenz“ mit „einigen der beliebtesten Urania-Experten gehen“. Und das im Humboldt-Saal,  dem „Wissenschaftstempel“ der Urania. Zu den aktuellen Referenten fällt mir momentan nichts ein. Ein Blick auf die Referentenliste der Konferenz 2014  ist aber auch sehr aufschlußreich. Dort finden sich z.B.  Koryphäen   wie Dr. Rüdiger Dahlke – der Visionär einer Medizin der Zukunft – oder Veit Lindau vom „Human Trust“, der ein erfülltes Leben durch radikale Selbstliebe verspricht.  Den Rest spare ich mir, den kann man hier nachlesen.

Im Vorfeld der Veranstaltung interessiert mich eine ganz andere Frage.

Warum findet diese im  Humboldt-Saal ?    Alexander von Humboldt war schliesslich einer der grössten Universalgelehrten seiner Zeit. Er war Wissenschaftler und intellektuelle Redlichkeit war sein Markenzeichen. Humboldt gab seiner Leserschaft Einblicke in die Entstehung von Wissensbeständen. Er lieferte gleichsam Momentaufnahmen wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse und unterstützte stets die  Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf allgemein verständliche Art.

Warum dann Dahlke und Lindau im Humboldt-Saal?

Was ist geblieben vom 1954 formulierten Anspruch der Urania an sich selbst? Was ist geblieben von der Muse der Sternkunde? Es soll ja immer wieder passieren, dass  Astronomie mit Astrologie verwechselt wird.

 

 

 

Kinder oder Religion?

Im oberfränkischen Lonnerstadt ist man guter Hoffnung. Mit Vernunft Bedachte hoffen auf ein akzeptables Ende einer schon Jahre dauernden Provinzposse. Andere darauf, dass ihnen wegen streng bürokratischem Handeln kein Fehler angelastet werden können. Die „Neue Gruppe der Weltdiener“ hofft heimlich auf staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft.

Bis 2012 war die Welt in Ordnung. Man wusste von einem „Guru“ im Ort. Genaueres interessierte aber niemanden.

Der Guru sieht sich selbst im Sinne von Alice Bailey agierend. Einer Blavatsky-Jüngerin mit direktem Draht zur Großen Weißen Bruderschaft, zu der nur besonders Erleuchtete wie z.B. Napoleon, Mussolini und Hitler Zugang erhielten.

Die Behörden ließen den Guru trotz vorgetragener Beschwerden in seiner Parallelwelt gewähren. Das Gedankengut der Gruppe war ihnen in keiner Weise suspekt. Dass die Kinder in seltsam spartanischen Verhältnissen und mit gesundheitlichen Einschränkungen aufwuchsen, fiel sogar ihnen auf. Sie sahen aber keinen Grund zum Eingreifen.

Dabei pfiffen es die Spatzen von den Dächern. Die Kinder hatten keine Krankenversicherung und kannten keinen Arztbesuch. Erwachsene Seelen in Kinderkörpern, so die „Weisheit“ der Gruppe, bedürfen keiner besonderen Fürsorge. Krankheiten sind nur eine spezielle Form der seelischen „Reinigung“. Dafür ist Meditation das probate Mittel. Medikamente sind unnötig. Arztbesuche zerstören nur die jahrelange „Seelenarbeit“. So die Ansicht des Provinzgurus.

2012 verließ ein Junge die Gruppe. Ein Arzt bestätigte, dass er schwer erkrankt sei und in Lebensgefahr schwebe.

Die Medien wurden mobil und die Behörden wach. Unter öffentlichem Druck zunächst widerwillig, später aber doch eher einsichtig handelnd. 2014 kam das Landgericht Nürnberg zu einem Urteil. Die Richter verkündeten 3 Jahre Haft für den Sektenguru und seine Gefährtin wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen. Ein Urteil mit Beigeschmack. Strafmilderung wurde gewährt, “weil die Angeklagten durch die Berichterstattung in den Medien vorverurteilt und stigmatisiert worden seien.”

Ein zufriedenstellendes Urteil! Könnte man meinen. Es hätte noch schlimmer kommen können.

Lange konnten  sich fünf  Richter in Karlsruhe nicht einigen, ob sie das Wohl des Kindes oder die Religionsfreiheit höher einstufen sollen. Die für Juli vorgesehene Urteilsverkündung wurde genau aus diesem Grunde verschoben.


 

Soeben erreichte uns nachstehende Mitteilung. Die Entscheidung ist gefallen:

Bundesgerichtshof

Mitteilung der Pressestelle

 Nr. 135/2015 vom 04.08.2015

Urteil wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen rechtskräftig

Urteil vom 4. August 2015 – 1 StR 624/14

 

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat die beiden Angeklagten wegen

(schwerer) Misshandlung von Schutzbefohlenen jeweils zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

 Nach den Feststellungen des Landgerichts litt der 1987 geborene Geschädigte seit frühester Kindheit an der Erbkrankheit Mukoviszidose und bedurfte daher permanenter medikamentöser, krankengymnastischer und ärztlicher Behandlung sowie einer besonderen Ernährung, um ein Fortschreiten der Krankheit möglichst weitgehend zu verhindern. Ende

1999 zog der Geschädigte mit seiner allein sorgeberechtigten Mutter (der Angeklagten) und zwei Geschwistern in den Hausstand des in den Medien als „Guru von Lonnerstadt“ bzw. „Guru von Ailsbach“ bezeichneten Angeklagten. Der Angeklagte übernahm freiwillig die Fürsorgepflicht für den Geschädigten. Beide Angeklagte, denen die Behandlungsbedürftigkeit des Geschädigten im Einzelnen bekannt war, wirkten nicht auf eine Fortführung der bis zum Einzug aufwändig durchgeführten medizinischen Betreuung hin, sondern überließen dem Geschädigten selbst die Entscheidung, ob er die Behandlung fortsetzen wolle oder nicht.

Notwendige Medikamente und Gerätschaften stellten sie ihm nur unzureichend oder überhaupt nicht zur Verfügung. Der Kontakt des Geschädigten zu seinem leiblichen Vater wurde von beiden Angeklagten konsequent unterbunden. Der Geschädigte, dem die Tragweite seiner Entscheidung nicht bewusst war, war froh, ohne die aus seiner Sicht lästigen medizinischen Prozeduren leben zu können und verlangte keine medizinische Behandlung. Der Angeklagte stellte dem Geschädigten in Aussicht, dass seine (nicht kausal therapierbare) Erkrankung bis zum 18. Geburtstag geheilt werde, wenn der Geschädigte mehrmals täglich mit ihm meditiere. Dies glaubte der Geschädigte.

 Der Zustand des Geschädigten verschlechterte sich ohne die erforderliche Behandlung bis zu seinem Auszug im Dezember 2002 rapide, was die Angeklagten erkannten. Aufgrund eines teilweise irreversiblen Funktionsverlustes der Lungenfunktion trat schließlich bei geringster körperlicher Betätigung Atemnot ein, er litt unter permanenten Kopfschmerzen, seine Bronchien waren stark verschleimt und er nahm trotz Wachstums in den drei Jahren nicht an Gewicht zu, so dass er massiv mangelernährt war. Sein Zustand war zuletzt potentiell lebensbedrohlich und hätte bei weiterer Nichtbehandlung innerhalb weniger Wochen zum Tode geführt.

 Dieses Verhalten der Angeklagten hat das Landgericht als bedingt vorsätzliches Quälen durch Unterlassen bewertet, weil beide ihrer Pflicht nicht nachgekommen seien, dem Geschädigten die notwendige medikamentöse, therapeutische und ärztliche Behandlung – notfalls auch gegen seinen Willen – zukommen zu lassen.

 Die gegen dieses Urteil geführten Revisionen der Angeklagten hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom heutigen Tag verworfen. Die Beweiswürdigung des Landgerichts, insbesondere auch zum bedingten Vorsatz der Angeklagten, fand der Bundesgerichtshof ebenso rechtsfehlerfrei wie die rechtliche Bewertung. Auch bei der Strafzumessung waren Rechtsfehler des Landgerichts nicht ersichtlich.

 Das Urteil des Landgerichts ist damit rechtskräftig.

 LG Nürnberg-Fürth vom 4. August 2014 – 13 KLs 652 Js 49419/12

 

Karlsruhe, den 4. August 2015

 Pressestelle des Bundesgerichtshofs

76125 Karlsruhe

Telefon (0721) 159-5013

Telefax (0721) 159-5501

(wr/vikas)