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Das Problem mit meiner Aura

[Greiz] Seit ein paar Tagen habe ich das Gefühl, dass mein ansonsten mit Energie geladener Körper sich selbst eine Pause verordnet hat.  Meiner Aura fehlt jede Ausstrahlung, sie wirkt blass und eine Reinigung scheint dringend nötig. Auch die gleichnamige Göttin der Morgenbrise ist mir heute nicht gewogen. Ich spüre nicht einmal ein laues Lüftchen an diesem Morgen des 21. Mai 2016.

Da war doch noch etwas. Richtig, heute findet in Greiz der  3. Vogtländische Kongress für Naturgemäße Biologische Medizin statt.  Angekündigt ist der Vortrag eines Heilers, Arztes und Wissenschaftlers aus dem sächsischen Elbflorenz und tags darauf die Möglichkeit der Aura-Reinigung durch eben diesen Herrn in der Schilbach-Villa in Greiz.   Schlappe 191 Euro für eine blitzblanke Aura und neu aufgeladene Chakren sind wahrlich nicht zu viel verlangt.  Den Vortrag darf ich keinesfalls verpassen. Ein Meisterlehrer von Divine Intervention kommt nicht alle Tage in diese Gegend.

Pünktlich nehme ich erwartungsvoll im großen Saal der Vogtlandhalle in Greiz Platz. Inmitten der zahlreich erschienen Ärzte, Heilpraktiker und heilkundigen Laien harre  ich der Dinge, die da kommen werden. Ein älterer Herr entlockt tief in sich ruhend einer überdimensionierten  Balalaika  betörende Klänge. Ich entspanne mich, danach fehlt mir ein Stück Film.

Noch leicht in Trance vernehme ich die Begrüßungsworte des Bürgermeisters der Stadt Greiz. Davon, dass „ganz besonders chronisch Kranke und vor allem auch Krebspatienten … in der ganzheitlichen biologischen Medizin nach ergänzenden Alternativen zur Schulmedizin [suchen]“ war die Rede. Auch davon,  ….“dass bei vielen Dingen die Standardmedizin,  ja  nicht versagt, sondern eine die Sicherheit erweiternde braucht, die von vielen genutzt wird, weil im Rahmen der Standardmedizin auf allen Ebenen auf bestimmte Grenzen gestoßen worden ist, die es letztendlich zu überschreiten gilt.“  Jetzt bin ich wieder hell wach und grüble über diesen Satz. Der Rest ist dadurch untergegangen.

Beifall und Blumen für den Bürgermeister, danach eine Hiobsbotschaft für mich. Der von den Meisterlehrerinnen Starr Fuentes, Selena Rodrigues, Inge Kögl u.a. ausgebildete Referent aus dem sächsischen Elbflorenz hatte seinen Vortrag abgesagt, aus persönlichen Gründen. Ade lang ersehnte Aura-Reinigung und neue Erkenntnisse über Starr Fuentes,  die Linienhalterin der Curanderos von Mexiko, wird es auch nicht geben.

Enttäuscht verlasse  ich den Kongress und verzichte auf die Vorträge zur Phytotherapie, Homöopathie, zu Ausleitungsverfahren und zu Lüschers Selbst-Regulationspsychologie. Der Vortrag zum Thema „Es gibt keine unheilbaren Krankheiten, es gibt allenfalls unheilbare Menschen“ und die Möglichkeiten zum Gesunden Altern nach Viktor Philippi interessieren mich jetzt auch nicht mehr.

Ich fahre auf schnellstem Wege nach Hause und hole die am Morgen verpasste kalte Dusche nach. Welch wundersame Wandlung. Ich sehe  energische Züge in einem etwas älteren Gesicht, umspielt von einem  leicht goldenen Kranz der sich im Spiegel brechenden Strahlen der Sonne.  Vom geöffneten Fenster her ist  eine leichte Brise zu spüren. Der Akku ist  wieder aufgeladen.

Am Montag darauf.  Der frische Duft des Morgenkaffees umschmeichelt meine Nase, ein halbseitiger Bericht in der OTZ  über den Greizer Kongress weckt meine Neugier. Vielleicht habe ich doch etwas verpasst? Eine etwas ausführlichere Beschreibung der bioenergetischen Meditation nach Philippi, ausschließlich positive Stimmen der Besucher und eine Auflistung aller Veranstaltungen prägen den Artikel. Dem Redakteur  ist  nicht aufgefallen,  dass einige von ihm aufgeführte Referenten gar nicht anwesend waren.

(wr)

(GWUP)  Petition gegen die politische Schirmherrschaft des deutschen Homöopathie-Kongresses


—>   Unterstützer können sich  hier anschließen. <—–


Schon im Januar finden wir einen Top-Favoriten für das Bullshit-Statement des Jahres:

Das von den Homöopathie-Kritikern häufig bemühte „Nichts“ wird von den Physikern als u. a. als Quantenvakuum bezeichnet und spielt eine maßgebliche Rolle in der Erklärung der Wirkweise der Homöopathie.”

Ebenso sinnfrei könnte man an dieser Stelle über ein Kopfvakuum spekulieren – darum soll es aber gar nicht gehen.

Kon

Das wirklich Erschreckende ist, dass eine Professorin und Senatorin für “Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz” sich hinter solchen Schwachfug stellt.

–>weiter bei  GWUP

Gesundheitsjournalismus zwischen Anspruch und Wirklichkeit

(vikas/wr) Die „Freie Presse“ (FP) startete im Mai 2015 eine Serie zu alternativen Heilmethoden.  Die Berichterstattung erfolgt zu einem Zeitpunkt zunehmend unzureichender ärztlicher Versorgung im Vogtland und im mittleren Erzgebirge. Das Landratsamt des Vogtlandkreises  hat inzwischen für die Region Reichenbach den Ärztenotstand ausgerufen[21]. Vor diesem Hintergrund titelte die FP im einleitenden Artikel vom 07.05.2015:

„Anders  heilen  – Alternative Heilmethoden im Überblick – Wirkt Natur wirklich Wunder? Diese Ratgeber-Serie soll Klarheit schaffen“

„Wir  wollen aufklären, Befürwortern und Kritikern Raum für ihre Argumente geben. Bei der Debatte darüber sollte endlich Schluss sein mit dem Schwarz-Weiß-Denken: Schulmediziner doktern nur an Symptomen rum, Naturheiler sind Scharlatane. Zweifellos gibt es unter dem Deckmantel der Naturmedizin schwarze Schafe, denen es vor allem ums Geld geht. Der Begriff ist nicht geschützt und weit auslegbar bis tief ins Esoterische.   Fakt ist aber auch, dass sich immer mehr Ärzte naturheilkundlichen Methoden öffnen. Einige sind inzwischen so gut durch Studien belegt, dass Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen. “[22]

Die Autorin Katrin Saft verspricht an dieser Stelle, mit der geplanten Serie aufzuklären und Befürwortern und Kritikern Raum für Argumente zu geben. Dieses Versprechen soll an einigen Beiträgen überprüft werden.

–> Beitrag lesen

 


Zu den Originalbeiträgen der „Freien Presse“:

picture alliance/dpa

Immer mehr Menschen wenden sich alternativen Heilmethoden zu. Doch die Unwissenheit über derartige Verfahren ist groß. Genau das ist für die „Freie Presse“ Anlass, sich mit dem Thema „Anders heilen“ in einer Serie auseinanderzusetzen und über Wirksamkeit, Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Heilpraktiken aufzuklären. weiter lesen

(screenshot FP vom 18.10.2010)


Der Zug für die Homöopathie ist soeben abgefahren

Die Elbe-Saale-Bahn, die zur DB Regio gehört, hat in Köthen einen neuen Doppelstockzug auf den Namen „Samuel Hahnemann“ getauft – und die Mitteldeutsche Zeitung bringt es fertig, in ihrem Bericht dazu “Homöopathie” in einem Satz mit “Wissenschaft” zu nennen.

-> GWUP

 

Urania Berlin – Wissen oder flotte Sprüche ?

URANIA – das Original als Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse  – wurde  1954 in der damaligen DDR gegründet.  „Die Gesellschaft setzte sich vor allem für eine allgemein verständliche Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und neuer Technologien sowie eine Popularisierung der Wissenschaften ein.“(Wikipedia). Nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden aus der Gesellschaft eine Reihe von lokalen Urania-Vereinigungen, die 1991 den „Bundesverband Neue Urania“ gründeten.

Die Urania Berlin vertritt den ursprünglichen Anspruch nach eigener Darstellung auch heute noch. Anspruch und Wirklichkeit sind aber  keine siamesischen Zwillinge. Kein Wunder also, dass  beide nicht selten  getrennte Wege gehen. Bei den für den 12.09.2015 angekündigten „Urania Naturheiltagen“ scheint das besonders deutlich zu werden.  Zu den geplanten Fachvorträgen wird man sich erst nach der Veranstaltung konkret äussern können. Bei Themen wie „multimodale Therapie des ganzen Menschen“ und „Ganzheitliche Zahnheilkunde“  kann man zwar gut spekulieren, aber das hat mit Wissenschaft bekanntlich nichts zu tun. Gedulden wir uns also noch ein wenig.

Die Ausstellerangebote mit „Lebensfeuermessung“ und naturheilkundlicher Beratung im Einklang mit der Natur deuten schon eher an, wohin die Reise führen könnte. Richtig zur Sache könnte es dann bei der gleichzeitig stattfindenden „Lebensernergie-Konferenz“ mit „einigen der beliebtesten Urania-Experten gehen“. Und das im Humboldt-Saal,  dem „Wissenschaftstempel“ der Urania. Zu den aktuellen Referenten fällt mir momentan nichts ein. Ein Blick auf die Referentenliste der Konferenz 2014  ist aber auch sehr aufschlußreich. Dort finden sich z.B.  Koryphäen   wie Dr. Rüdiger Dahlke – der Visionär einer Medizin der Zukunft – oder Veit Lindau vom „Human Trust“, der ein erfülltes Leben durch radikale Selbstliebe verspricht.  Den Rest spare ich mir, den kann man hier nachlesen.

Im Vorfeld der Veranstaltung interessiert mich eine ganz andere Frage.

Warum findet diese im  Humboldt-Saal ?    Alexander von Humboldt war schliesslich einer der grössten Universalgelehrten seiner Zeit. Er war Wissenschaftler und intellektuelle Redlichkeit war sein Markenzeichen. Humboldt gab seiner Leserschaft Einblicke in die Entstehung von Wissensbeständen. Er lieferte gleichsam Momentaufnahmen wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse und unterstützte stets die  Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf allgemein verständliche Art.

Warum dann Dahlke und Lindau im Humboldt-Saal?

Was ist geblieben vom 1954 formulierten Anspruch der Urania an sich selbst? Was ist geblieben von der Muse der Sternkunde? Es soll ja immer wieder passieren, dass  Astronomie mit Astrologie verwechselt wird.